Durch Anerkennung zu mehr Produktivität

Anerkennung und Wertschätzung können die Produktivität enorm steigern.

Anfang März 2013 veröffentlichte das Beratungsunternehmen Gallup die Studie „Engagement Index 2012“, für die deutschlandweit fast 2.200 Mitarbeiter telefonisch zu ihrer Arbeitssituation befragt wurden. Dabei standen die Zufriedenheit, die Identifikation mit dem Arbeitgeber und eigene Motivation im Mittelpunkt. Das zentrale Ergebnis der Studie ist erschreckend: 24 % der befragten Mitarbeiter haben bereits innerlich gekündigt. Als Hauptursache kristallisiert sich laut Studie falsches Führungsverhalten der direkten Vorgesetzten heraus.

Innere Kündigung und die Folgen

Die Kosten, die Unternehmen durch die innere Kündigung von Mitarbeitern entstehen, sind immens. Nicht erst durch die Studie ist bekannt, dass unzufriedene Mitarbeiter häufiger wegen Krankheit fehlen (Studien sprechen von 70% mehr Fehltagen). Aber auch wenn sie an ihrem Arbeitsplatz sitzen, sind sie oft weniger produktiv, bringen seltener innovative Ideen ein und sind insgesamt weniger stark loyal mit ihrem Arbeitgeber verbunden. Nur etwa jeder Siebte steht nach Aussagen der Studie voll hintern seinem Unternehmen. Die Mehrzahl (fast zwei Drittel) macht überwiegend Dienst nach Vorschrift. Das bedeutet, inneres Aufgeben und Resignieren von Mitarbeitern beeinträchtigt nicht nur das Arbeitsklima, sondern beeinflusst auch die gesamte Produktivität negativ. Laut Gallup-Studie verursachen Mitarbeiter, die innerlich gekündigt haben, einen gesamtvolkswirtschaftlichen Schaden von bis zu 124 Milliarden Euro im Jahr.

Ursache meist mangelnde Anerkennung

Als Hauptursache für die innerliche Kündigung werden überwiegend Defizite in der Personalführung, insbesondere bei den direkten Vorgesetzten angenommen. Die meisten Mitarbeiter sind direkt nach ihrer Einstellung hoch motiviert, haben Ideen, möchten sich einbringen. Zunehmend sind sie desillusioniert, machen Dienst immer häufiger nur nach Vorschrift und resignieren am Ende ganz. In den meisten Fällen fehlt ihnen eine Rückmeldung zu Ihrer Arbeit. Sie erhalten zu wenig konstruktive Kritik, Lob, Anerkennung bei der Arbeit oder auch nur offene Ohren auf Seiten ihres Vorgesetzten.

Im Gegensatz zu früher, als die meisten Menschen direkt produktiv tätig waren: Felder bestellten oder in kleinen Manufakturen Produkte herstellten und am Abend ihr Tagwerk betrachten und Stolz entwickeln konnten, haben wir in der Dienstleistungsgesellschaft zu oft das Problem, eigentlich nie ganz fertig zu sein. Das bedeutet, wir können abends nicht zurückblicken auf ein fertiges Produkt und so innere Genugtuung empfinden. Stattdessen schauen wir auf ein paar durchgestrichene Punkte auf der To-do-Liste und auf den wiederum vollen Terminkalender von morgen. In der heutigen Zeit benötigen wir daher eine explizit ausgesprochene Form von Anerkennung und das möglichst von einer Person, zu der wir aufschauen – das Lob seines Vorgesetzten zum Beispiel.

Allerdings legen viele Vorgesetzte zu wenig Wert auf Mitarbeiterbindung via Rückmeldung und Anerkennung  und schadeten damit ihren Betrieben. Laut der Gallup-Studie erhält nur jeder vierte befragte Mitarbeiter Lob vom Chef und nur jeder Dritte hat das Gefühl, dass seine Meinung überhaupt gefragt ist.

Die Vorgesetzten sind nur allzu oft der Meinung, dass das Gehalt, das Weihnachtsgeld, der Firmenwagen, die Bonuszahlungen bereits Anerkennung genug seien. Auf zusätzliches Eingehen auf die gebotene Leistung wird verzichtet – jedenfalls dann, wenn es nichts zu kritisieren gibt. Das kann allerdings kein Ansatz sein, durch den Mitarbeiter zu Höchstleistungen motiviert werden. Denn wenn das Gehalt die einzige Form von Anerkennung ist, hat der Mitarbeiter natürlich keinen Grund, eine über seinen Arbeitsvertrag hinaus gehende Leistung zu erbringen. Dienst nach Vorschrift , ist die logische Konsequenz.

Anerkennung ist wichtig

Wenn Arbeitnehmer gefragt werden, woran es ihnen in Bezug auf ihre Arbeit am meisten mangelt, geben sie auffällig oft das Ausbleiben der positiven Bestärkung durch den Chef an. Aufmerksamkeit, Interesse für Geleistetes, Lob und die damit verbundene Anerkennung sind etwas ganz Wichtiges in unser aller Leben. Wer sich anerkannt und ernst genommen fühlt, hat Spaß an seiner Arbeit und wird nicht verzweifelt zur Uhr schauen und auf den Feierabend warten. Wer Anerkennung erfährt, entwickelt eine Bindung zum Unternehmen und das Bedürfnis, sich besonders einzubringen. Und noch etwas: während uns schlechte Erlebnisse lange verfolgen, verpuffen schöne Erlebnisse, wie gelobt zu werden und Anerkennung zu erfahren, sehr schnell. Und deshalb können wir gar nicht genug davon bekommen. Wir vertragen es zwei-, drei- viermal am Tag und morgen und übermorgen schon wieder.

Und nun komme ich auf meine Anfangsfrage zurück: Haben Sie heute schon gelobt?

 

Bildquelle: JesusLOVESyou / pixabay.com



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