Konstruktive Kritik annehmen und wachsen

Konstruktive Kritik annehmen und geben

Gerade im Falle von Kritik scheint das Sprichwort: Geben ist seliger denn Nehmen seinen Ursprung zu haben – denn die meisten von uns, teilen Kritik lieber aus, als sie zu bekommen. Im letzten Beitrag haben wir uns mit der Verantwortung des Kritikgebers beschäftigt und 5 Schritte formuliert, mit deren Hilfe Sie konstruktive Kritik geben können. In diesem Beitrag geht es nun darum Kritik zu empfangen, anzunehmen und an berechtigter konstruktiver Kritik zu wachsen.

Sie kennen es sicher alle: Sie werden kritisiert – einfach so, ungefragt stürzt über Sie eine Lawine an Kritik herein. Die erste Reaktion: uns stockt der Atem und dann, direkt im Anschluss, gehen wir zum Gegenangriff über und beginnen uns zu verteidigen. Von der Person des Kritikgebers, von seiner Stellung im Team oder von unserem gegenseitigen Verhältnis hängt ab, ob wir diesen Gegenangriff lautstark verbalisieren oder aber ihn tief in unserem Inneren in eine Mauer, einen Schutzwall verwandeln. Idealerweise sollten wir uns Kritik allerdings viel eher ruhig anhören und für uns überprüfen, inwieweit wir Sie annehmen und vielleicht sogar aus ihr lernen möchten. Doch wie können wir das erreichen?

Wie stehen Sie zu Kritik ?

Kritikfähigkeit bedeutet, erhaltene Kritik, die konstruktiv formuliert und gerechtfertigt ist, nicht nur entgegen- sondern wirklich anzunehmen. Denn nur diejenigen, die konstruktive Kritik akzeptieren und berechtigte Kritikpunkte verbessern, entwickeln sich weiter. Ihre Einstellung in Sachen Kritik bestimmt ganz maßgeblich, wie Sie mit Kritik umgehen und ob Sie für sich Chancen zur Entwicklung und zum Wachsen herausziehen möchten. Wenn Sie in negativem Feedback lediglich einen Angriff sehen, werden Sie sich kaum den vielen positiven Möglichkeiten öffnen. Denn seien wir doch mal ehrlich: so ganz ohne Kritik, ohne Feedback würden wir unsere Leistung kaum einschätzen und somit nicht wachsen können. Mit Hilfe von ein paar „Spielregeln“ können Sie Ihren Umgang mit erhaltener Kritik deutlich verbessern.

„Spielregeln“ beim Annehmen von Kritik

Atmen Sie zunächst ein paar Mal ganz tief durch, denn so können Sie die in Ihnen hochkommende, erste Gegenangriffs-Welle ein wenig abschwächen und Sie eröffnen sich die Chance, sich emotional von der Situation zu distanzieren. So haben Sie die Möglichkeit, die Kritik nicht so tief an sich heranzulassen. Die Kritik tut dann erstens weniger weh und ermöglicht zweitens einen Blick darauf, ob sie berechtigt und gerechtfertigt ist oder eher nicht. Denn Sie müssen durchaus nicht jede Kritik annehmen. Versuchen Sie zudem gerade bei selbst eingeforderter Kritik ein paar Kommunikationsregeln festzulegen oder zumindest darauf hinweisen, wie Ihr Gegenüber Ihnen helfen kann, aus seine Kritik besser anzunehmen und daraus zu lernen.

Hören Sie genau zu!
Auch wenn die Kritik weh tut, und Ihnen bereits einige „Aber“ auf der Zunge liegen, lassen Sie Ihr Gegenüber aussprechen. Versuchen Sie möglichst emotionslos zuzuhören und konzentrieren Sie sich auf den Inhalt des Gesagten. Wenden Sie sich dabei Ihrem offen Gegenüber zu und zeigen Sie ihm, dass Ihnen seine Meinung wichtig ist.

Fragen Sie nach!
Überprüfen Sie durch Nachfragen, ob Sie wirklich das verstanden haben, was Ihr Gegenüber Ihnen vermitteln wollte. Sie können das Gesagte auch mit Ihren eigenen Worten wiederholen. Wichtig ist, dass bei Ihnen genau das ankommt, was Ihr Gegenüber zum Ausdruck bringen wollte. Häufig vermischen sich konkrete Fakten und tieferliegende Emotionen so, dass zwischen dem Gesagten und dem Verstandenen eine breite Lücke klafft. Dieser Gefahr können Sie begegnen, indem Sie nach ganz konkreten Beispielen oder Handlungen fragen, die zu der Kritik führten. Versuchen Sie möglichst offen davon auszugehen, dass Ihr Gegenüber sich die Zeit nimmt, sie auf ein Verhalten hinzuweisen, dass aus seiner Sicht kritikwürdig ist. Geben Sie ihm die Chance zu erklären, was er meint und sich selbst die Möglichkeit, etwas über sich und Ihre Außenwirkung zu erfahren und sich weiterzuentwickeln.

Rechtfertigen Sie sich nicht!
Wenn Sie souverän sind, in dem was Sie tun, dann halten Sie Kritik aus. Rechtfertigungen oder Verteidigungen sind nicht nötig. Wenn Sie eine andere Sichtweise in Bezug auf die eine oder andere bestimmte Handlung haben, können Sie diese sicher in erklärender Weise vortragen. Ob allerdings dieser Moment der geeignete dafür ist, ist fragwürdig, denn häufig sind wir durch die gerade erhaltene Kritik emotional sehr aufgewühlt. Atmen Sie statt dessen lieber tief ein und aus.

Entscheiden Sie, was Sie annehmen!
Es ist wichtig, Bereitschaft erkennen zu lassen, berechtigte und in einem vernünftigen Ton vorgetragene Kritik anzunehmen. Denn Ihr Gegenüber hat sich Gedanken gemacht, den Mut aufgebracht und Ihnen durch die Kritik die Möglichkeit gegeben, sich weiterzuentwickeln. Allerdings hat Ihr Gegenüber keinen Anspruch darauf, dass Sie seine Meinung absolut teilen. Bei Ihnen bleibt die Entscheidung, welche Kritik Sie so annehmen, dass daraus eine Verhaltensänderung resultiert. Geben Sie sich selbst Zeit für diese Entscheidung. Lassen Sie die Kritik erstmal „sacken“. Und wenn Sie wesentliche Kritikpunkte auch nach gründlichem Nachdenken, nach Abbau der Emotionen und nach mehrmaligem Drüber-Schlafen immer noch anders sehen, dann bitten Sie um ein weiteres Gespräch und stellen Sie Ihren Standpunkt dar.

 

Bildquelle Titelbild: Romi / pixabay.com



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3 Antworten
  1. Astrid Radtke
    Astrid Radtke says:

    Die Problematik ist, dass heute viele Kritik gleich als Mobbing interpretieren.

    Vielleicht ist das Wort Kritik auch irgendwie ein rotes Tuch. Es ist also nicht nur eine Frage des Annehmens, sondern auch wie „Kritik“ geäußert wird. Schwierig wird es, wenn Kritik ungerechtfertigt ist und nicht als Tipp für eine Verbesserung gemeint ist, sondern tatsächlich als Herabsetzung.

    Wer Hilfe Dinge anders zu bewältigen oder eine andere Perspektive anzunehmen als Kritik an seiner Person auffasst, hat allerdings ein grundsätzliches Problem.

    Vielleicht wäre hier der erste Ansatz, sein Fehler sich auch selbst einzugestehen. Denn jeder, der arbeitet, darf auch Fehler machen.

    Antworten

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