Verstehen und verstanden werden

Verstehen ist nicht gleich verstehen.

„Verstehen Sie mich nicht falsch! Ich meinte doch nur …“ Wir alle wollen in der Kommunikation mit anderen einfach nur verstehen und verstanden werden. Doch wie oft erfüllt sich dieser Wunsch nicht. Wie oft haben wir das Gefühl schlicht aneinander vorbei zureden und ständig missverstanden zu werden.< !

„Der Mensch ist ein auf vielen Ebenen kommunizierendes Wesen, das manchmal auch spricht.“

(Ray L. Birdwhistell)

Verstehen auf verschiedenen Ebenen

Wenn Menschen miteinander kommuzieren, so tun sie dies auf verschiedenen Ebenen: verbal, paraverbal und nonverbal.

Die verbale Ebene

Zur verbalen Ebene gehören all die Worte, der sachliche Inhalt, der ausgetauscht wird – das WAS, also. In einem Gespräch ist dies die hörbare, gesprochene Sprache. Unser Gegenüber sagt etwas, wir verstehen etwas. Von der verbalen Ebene wird aber auch dann gesprochen, wenn es um geschriebene Texte geht, die wir lesend aufnehmen und verstehen, und bei den verschiedenen Formen von Gebärdensprache.

Die paraverbale Ebene

Neben der verbalen Ebene – dem verbalen Inhalt also, nehmen wir im Gespräch auch wahr, WIE unser Gegenüber mit uns kommuniziert. Wie ist das Sprechtempo, die Lautstärke und die Sprachmelodie? Macht er Pausen beim Sprechen oder begleitet er seine Worte mit verschiedenen Begleitlauten, wie Stöhnen, sozialem Grunzen oder Seufzen? Wie ist sein Tonfall? Spricht er aggressiv, gelangweilt oder schmeichelnd mit uns? Diese Ebene, die das WIE des Sprechens kennzeichnet, ist die paraverbale Ebene. Gerade auf dieser Ebene sind die Sensoren für das Verstehen, das Spüren kleiner und kleinster Schwingungen ganz unterschiedlich ausgeprägt. Sie kennen das sicher, häufig hören gerade Frauen ganz genau, welche Untertöne über die „reine“ verbale hinaus in der Unterhaltung mitschwingen und sie reagieren darauf, in dem Sie Ihren Mann, Ihren Kollegen darauf ansprechen. Empfindet Sie, beispielsweise, seine (Denk-)Pause auf eine gestellte Frage als zu lange, reagiert sie „JETZT brauchst du auch nicht mehr zu antworten. DAS sagt ja schon alles.“

Die nonverbale Ebene

Die dritte Ebene, die in der Kommunikation eine wesentliche Rolle spielt, ist die nonverbale Ebene. Dazu gehören beispielsweise Mimik und Gestik, die Körperhaltung und die Bewegungen. Hält unser Gegenüber Blickkontakt zu uns oder schaut er an uns vorbei auf die neue, junge Kollegin, berührt er uns beim Sprechen, zum Beispiel in dem er uns an die Schulter tippt? Daneben kommunizieren wir auch über unsere Kleidung, verschiedene Accessoires (auffälliger Schmuck, Piercings) und über die Frisur.

Eine wesentliche Rolle spielt bei der Kommunikation auch der Abstand zwischen den Gesprächspartnern. Wie (körperlich) nah dürfen uns Personen treten. In unserer Kultur gilt eine Ellbogenlänge als Intimbereich, in den nur wenige, uns gut vertraute Personen hinein dürfen. Feststellen können Sie das ganz leicht. Suchen Sie sich eine zweite Person und stellen Sie sich so gegenüber, dass Sie sich anschauen. Winkeln Sie Ihre Arme an, Oberarme und Ellbogen am Körper lassen, Unterarme bis zu den Fingerspitzen nach vorne ausstrecken. Dasselbe macht ihr Gegenüber. Nun kommen Sie einander so nahe, dass sich ihre Fingerspitzen berühren. Dieser Abstand zwischen ihnen (insgesamt ungefähr eine Armlänge) gilt bei uns als angemessene Gesprächsdistanz. Wir fühlen uns wohl, auch wenn unser Gegenüber kein enger Vertrauter ist. Gehen Sie jetzt einen Schritt aufeinander zu. Sie spüren sofort, Unbehagen in sich aufsteigen. Dieses Eindringen in unsere intime Zone verstehen wir häufig als Grenzüberschreitung, als Aggression. Wir treten einen Schritt zurück oder neigen unseren Oberkörper instinktiv nach hinten, um den nötigen Abstand wieder herzustellen.

Die „7-38-55“ – Regel

In den siebziger Jahren hat Albert Mehrabian nach zahlreichen Untersuchungen und Tests herausgefunden, dass die Wirkung einer Botschaft zu 55% auf den körpersprachlichen Signalen, also auf der nonverbalen Kommunikation, beruht. Die paraverbale Ebene – und dabei hauptsächlich die Stimme – hat einen Anteil von 38%. Nur lediglich 7% hängen von dem Inhalt der Wörter ab.

Ob die Prozentzahlen genauso stimmen, kann sicher diskutiert werden. Fakt ist aber, dass Sie, wenn Sie andere Menschen überzeugen wollen, wenn Sie wollen, dass die Menschen Sie verstehen, dann sollten Sie nicht nur Ihre Worte mit Bedacht wählen, sondern sich auch mit Ihrer Körpersprache und mit Ihrer Stimme beschäftigen. Deshalb lege ich großen Wert darauf, in Seminaren, in denen es um Rhetorik und Kommunikation geht, die Wirkung der Körpersprache und der Stimme in den Mittelpunkt zu stellen.

 

Bildquelle Titelbild: geralt / pixabay.de



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